Streit um deutsches Kampfflugzeug: Enders warnt vor "kolossaler Ressourcenverschwendung"
Streit um deutsches Kampfflugzeug: Enders warnt vor "kolossaler Ressourcenverschwendung"
Die Debatte über das zukünftige deutsche Kampfflugzeugprogramm hat sich weiter zugespitzt, nachdem der ehemalige Airbus-Chef Thomas Enders Pläne für ein rein deutsches Projekt als "kolossale Fehlallokation von Ressourcen" kritisiert hatte. Er warnte vor einem teuren Prestigeprojekt und prallte damit mit Branchenverbänden und der aktuellen Airbus-Führung zusammen, die stattdessen eine Zusammenarbeit mit Großbritannien oder Schweden befürworten.
Im Mittelpunkt des Streits steht das problembehaftete deutsch-französisch-spanische FCAS-Projekt (Future Combat Air System), das mit Verzögerungen und Konflikten über die Führungsrollen zu kämpfen hat. Gleichzeitig prüft die Bundesregierung ihre Optionen angesichts wachsenden Drucks aus dem Parlament und technischer Herausforderungen.
Enders, der Airbus von 2007 bis 2019 leitete, argumentiert, dass Deutschlands technische Fähigkeit, ein eigenes Kampfflugzeug zu bauen, die enormen Kosten und den geplanten Einsatzzeitraum erst in den späten 2040er-Jahren nicht rechtfertige. Er bezeichnete ein solches Vorhaben als "industriepolitische Hybris" und warnte davor, frühere Fehler zu wiederholen. Besonders kritisierte er die Entscheidung der Regierung unter Angela Merkel aus dem Jahr 2017, sich mit Frankreich statt mit Großbritannien zu verbünden – ein "strategischer Fehler", wie er betonte.
Seine Haltung steht im direkten Widerspruch zum Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der Gewerkschaft IG Metall und dem aktuellen Airbus-Chef Guillaume Faury. Diese Gruppen setzen sich für eine Kooperation mit dem britischen GCAP-Programm (an dem auch Italien und Japan beteiligt sind) oder dem schwedischen Hersteller Saab und dessen Gripen-Jet ein. Der Konflikt spiegelt die langjährige Rivalität zwischen Airbus und dem französischen Partner Dassault wider, die über die gleichberechtigte industrielle Einflussnahme im FCAS-Projekt die Fortschritte blockiert.
Enders lehnte auch den schlichten Kauf amerikanischer Kampfflugzeuge ab. Stattdessen forderte er, Deutschland solle sich auf die Stärkung der europäischen technologischen und industriellen Basis konzentrieren. Die Zukunft der militärischen Luftfahrt liege seiner Meinung nach in unbemannten Kampfflugsystemen (UCAVs) – massenhaft produzierten, KI-gesteuerten Drohnen – und nicht in teuren bemannten Plattformen. Deutschland solle strategisch in diese aufstrebenden Systeme investieren, so Enders.
Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz überdenkt derzeit ihre Beteiligung am FCAS. Französische Forderungen, etwa nach atomwaffenfähigen, trägergestützten Jets, stehen laut Berichten im Widerspruch zu den deutschen Verteidigungsbedürfnissen. Angesichts der Verzögerungen und der wachsenden Kritik im Bundestag hat die Regierung einen Wechsel zu GCAP oder eine Partnerschaft mit Saab nicht ausgeschlossen. Eine offizielle Entscheidung steht jedoch noch aus; die deutsch-französischen Verhandlungen sollen vorerst bis mindestens Februar 2026 fortgesetzt werden.
Fachleute wie Enders argumentieren, dass ein Beitritt zu GCAP oder eine Zusammenarbeit mit Saab eine Verschwendung von Ressourcen für ein unausgereiftes nationales Projekt vermeiden würde. Die Regierung hat bisher jedoch nur laufende Gespräche bestätigt, ohne sich explizit für eine Alternative zu FCAS ausgesprochen zu haben.
Der Streit offenbart tiefe Gräben in der deutschen Militärluftfahrtstrategie. Während Enders und andere für internationale Partnerschaften werben, um Kosten zu senken und die Entwicklung zu beschleunigen, bleibt die Regierung im Dialog mit Frankreich. Eine endgültige Entscheidung steht bevor – doch sie wird Deutschlands Verteidigungsfähigkeiten und industrielle Prioritäten für Jahrzehnte prägen.
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