Schulbarometer 2025/26: Psychische Belastung von Schüler:innen erreicht neuen Höchststand
Jonas MayerSchulbarometer 2025/26: Psychische Belastung von Schüler:innen erreicht neuen Höchststand
In Deutschland ist eine hitzige Debatte über die psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern sowie die Struktur des Schulsystems entbrannt. Auslöser ist die Veröffentlichung des Deutschen Schulbarometers 2025/26, das eine zunehmende psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen – insbesondere aus benachteiligten Verhältnissen – aufzeigt. Nun streiten Expertinnen, Lehrkräfte und Verbände darüber, ob Schulen ihr System reformieren oder sich stattdessen auf gesellschaftliche Problemlagen konzentrieren sollten.
Der Streit eskalierte am 18. März 2026, als die Robert Bosch Stiftung ihren aktuellen Bericht vorlegte. Demzufolge leiden mittlerweile 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler unter hohem Stress – 2024 waren es noch 21 Prozent. Besonders betroffen sind sozial benachteiligte Kinder, deren Belastung durch strukturelle Defizite wie mangelnde Mitbestimmungsmöglichkeiten verstärkt wird. Während 75 Prozent der Schülerinnen und Schüler mehr Einfluss auf ihre Bildung fordern, halten nur 55 Prozent der Lehrkräfte die bestehenden Beteiligungsformen für ausreichend.
Der Philologenverband Nordrhein-Westfalen (PhV) reagierte mit der provokanten Frage, ob Schulen überhaupt für die Bekämpfung sozialer Ungleichheit zuständig seien. Diese Haltung stieß beim Landeselternverband für Integrative Schulen in NRW (LEiS-NRW) auf scharfe Kritik. Vorstandsmitglied Harald A. Amelang warf dem PhV eine "engstirnige Bildungspolitik" vor, die traditionelle, selektive Schulmodelle wie das Gymnasium einseitig bevorzugt.
Der LEiS-NRW argumentiert zudem, der PhV ignoriere bewährte Lösungsansätze. In integrativen Schulen hätten längeres gemeinsames Lernen und individuelle Förderung bereits zu mehr Chancengerechtigkeit geführt. Der Verband wirft dem PhV vor, mit seinem Festhalten am Gymnasium-System den Herausforderungen der Gegenwart nicht gerecht zu werden.
Im Kern geht es um die Frage, wie psychisches Wohlbefinden und Bildungsgerechtigkeit am besten gefördert werden können. Während der PhV auf gesellschaftspolitische Lösungen pocht, fordert der LEiS-NRW strukturelle Reformen im Schulsystem. Die Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers haben die Kontroverse nun weiter angeheizt – eine Einigung ist vorerst nicht in Sicht.






