Rosenmontag verwandelt Köln und Düsseldorf in ein politisches Farbspektakel
Clara MeyerSo prächtig und politisch war der Karneval lange nicht - Rosenmontag verwandelt Köln und Düsseldorf in ein politisches Farbspektakel
Die Straßen von Köln und Düsseldorf sind am Rosenmontag in ein buntes Chaos ausgetaucht – die Umzüge haben die Städte in ihren Bann gezogen. Hunderttausende Feiernde versammelten sich, um das jährliche Spektakel zu erleben, bei dem Tradition auf scharfe politische Satire trifft. Die monatelang vorbereiteten Wagen boten pointierte Kommentare zu globalen Konflikten, lokaler Politik und gesellschaftlichen Themen – alles eingehüllt in den typischen rheinischen Karnevalsgeist.
Der Rosenmontag, Höhepunkt des rheinischen Karnevals, brachte stundenlange Umzüge durch beide Städte. In Düsseldorf war Wladimir Putin 2024 gleich dreimal zu sehen: einmal, wie er einen Karnevalsnarren aufspießt, ein anderes Mal, wie er gemeinsam mit Donald Trump Europa verschlingt. Trump selbst tauchte zweimal auf, darunter auf einem Wagen, der ihn bei einem Angriff auf "Liebe und Menschlichkeit" zeigt. Deutsche Politiker wie Friedrich Merz und Markus Söder wurden als dinosaurierhafte Fossilverbrenner karikiert, die AfD auf einer Drohne verspotten, und demografische Herausforderungen symbolisierte ein Baby, das einen Wagen mit Rentnern zieht. Auch Social-Media-Sucht und andere gesellschaftliche Eigenheiten blieben von der beißenden Satire nicht verschont.
Kölns Umzug setzte andere Akzente: Putin fehlte, dafür wurden Ajatollah Chamenei und die AfD auf die Schippe genommen. Die Solidarität mit der Wagenbauerin Tilly, deren Werkstatt im vergangenen Jahr abbrannte, wurde zum bewegenden Moment – die Menge skandierte "Mer all sin Tilly". Demokratie und politische Polarisierung standen ebenfalls im Fokus, mit Appellen an den Zusammenhalt in gespaltenen Zeiten.
Für viele ist der Besuch des Rosenmontagsumszugs eine liebgewonnene Tradition. Manche kommen als Mitglieder alter Karnevalsvereine, andere in Familiengruppen oder spontanen Kostümen. Die Wagen selbst sind das Ergebnis akribischer Handarbeit, bei der jeder Witz sitzen und jede Anspielung verstanden werden soll. Die Stimmung auf den Straßen verbindet Festtagsbegeisterung mit einer langen Tradition, Macht durch Humor herauszufordern.
Während in Köln die Menge "Alaaf!" rief, jubelte Düsseldorf "Helau!" – beide Rufe spiegeln die tief verwurzelte Karnevalskultur der Region wider. Die Umzüge bewiesen einmal mehr, dass Satire und Feierlaune Hand in Hand gehen können.
Die Rosenmontagszüge haben sich erneut als kulturelles und politisches Aushängeschild des Rheinlands etabliert. Die Wagen mit ihren scharfzüngigen Botschaften werden noch lange in Erinnerung bleiben, wenn der Konfetti-Staub sich gelegt hat. Fürs Erste kehrt nun der Alltag in die Straßen zurück – doch die Diskussionen, die sie angestoßen haben, werden wohl weitergehen.






