Kölner Rosenmontagszug startet trotz Regen mit politischer Satire und Süßigkeiten-Regen
Henry KochHöhepunkt des Straßenkarnevals: Kölns Rosenmontagszug hat begonnen - Kölner Rosenmontagszug startet trotz Regen mit politischer Satire und Süßigkeiten-Regen
Köln startet trotz Regen – Karneval mit politischer Spitze
Um 10:00 Uhr setzte sich der berühmte Kölner Rosenmontagszug bei nassem Wetter in Bewegung und läutete damit den größten Karnevalsumzug Deutschlands ein. Unter dem Motto "ALAAF – Mer dun et för Kölle" ("Wir machen es für Köln") würdigte die Veranstaltung die rund 200.000 Ehrenamtlichen, die die Traditionen der Stadt am Leben halten. Trotz Regen säumten feierfreudige Jecken die Straßen, bereit für ein Spektakel mit Süßigkeiten, Blumen und beißender politischer Satire.
Der Zug startete am Severinstor, wobei die ersten Wagen erst knapp vier Stunden später das Ziel erreichen sollten. Entlang der Strecke erwarteten die Zuschauer etwa 300 Tonnen Süßigkeiten und 300.000 kleine Blumensträuße, die von den Festwagen geworfen wurden. Viele der Motivwagen nahmen dabei aktuelle politische Themen aufs Korn – darunter den Aufstieg der rechtspopulistischen AfD und ihre Annäherungsversuche an den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.
Düsseldorf setzt auf provokante Motive – Designer Tilly trotz Prozess ungebrochen In Düsseldorf bereitete man sich unterdessen mit ebenfalls brisanten Entwürfen auf den eigenen Umzug vor. Skizzen zeigten einen Wagen, auf dem Wladimir Putin eine "AfD"-Drohne steuert, sowie eine weitere Darstellung, die ihn und Trump symbolisch beim "Verspeisen" Europas zeigt. Diese Kreationen entstanden trotz eines laufenden Moskauer Prozesses gegen Jacques Tilly, den leitenden Wagenbauer Düsseldorfs. Russische Behörden hatten ihn Ende 2025 wegen angeblicher Verleumdung Putins und staatlicher Institutionen durch seine satirische Arbeit angeklagt.
Tilly, bekannt für seine jahrzehntelange karikierende Auseinandersetzung mit Putins Politik, reagierte trotzig: Er kündigte einen neuen Putin-Wagen für den Düsseldorfer Zug 2026 an – eine direkte Persiflage auf seine eigene Verfolgung. Deutsche Politiker, darunter NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), verurteilten das Verfahren scharf und riefen zur Solidarität mit Tilly auf. Die Umzüge in Düsseldorf und Mainz warteten unterdessen traditionell, bis der Kölner Zug begonnen hatte, ehe sie ihre eigenen Feiern starteten.
Karneval 2026: Festlaune trifft auf mutige Gesellschaftskritik Die diesjährige Session verband abermals ausgelassene Stimmung mit scharfer politischer Kommentierung. Trotz Regens stand in Köln der Gemeinschaftsgeist der Ehrenamtlichen im Mittelpunkt – während gleichzeitig umstrittene Persönlichkeiten ins Visier genommen wurden. Mit Düsseldorfs unerschrocken satirischen Wagen, selbst angesichts juristischer Drohungen, unterstrichen die Veranstaltungen einmal mehr, dass der Karneval eine wichtige Bühne für freie Meinungsäußerung und öffentliche Debatte bleibt.






