Kim de l'Horizons Debütroman erstrahlt als mutige Bühnenadaption in Berlin
Lukas AlbrechtKim de l'Horizons Debütroman erstrahlt als mutige Bühnenadaption in Berlin
Bahnbrechende Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Debütroman feiert Premiere vor ausverkauftem Haus
Am Dienstagabend erlebte eine vielbeachtete Theaterfassung von Kim de l'Horizons gefeiertem Debütroman im Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg ihre Uraufführung – und das vor ausverkauftem Publikum. Die Inszenierung bringt eine zutiefst persönliche Reise durch Geschlecht, Erinnerung und Familie auf die Bühne. Der Roman selbst schrieb 2022 Geschichte, als er sowohl mit dem Deutschen Buchpreis als auch mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Kim, eine genderfluide Erzählfigur, deren Körper sich binären Zuordnungen entzieht. Im Ringen mit gesellschaftlichen Erwartungen versucht Kim, sich in starre Rollen zu pressen – doch stößt dabei auf Scham und Schweigen. Der Weg beginnt, als die Demenz der Großmutter sie zurück in Kindheitserinnerungen an einen Schweizer Vorort zieht.
Auf der Bühne wird Kim von drei Schauspieler:innen verkörpert – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger –, die jeweils unterschiedliche Facetten ihrer Identität einfangen. Das Bühnenbild besticht durch markante visuelle Akzente, darunter zerrissene, beige Strumpfhosen, die von der Decke hängen, beschwert mit Sand und Kugeln. Diese Elemente spiegeln die rohe, fragmentarische Erzählweise des Romans wider.
Zentral für die Geschichte ist eine Blutbuche, ein symbolischer Zufluchtsort, an dem Kim lernt, sich gegen die Namen und Etiketten zu wehren, die ihr aufgezwungen werden. Das Stück erkundet auch die Wut des Kindes gegenüber der Großmutter, die Kims Geschlechtsausdruck ablehnt. Je tiefer Kim gräbt, desto mehr deckt sie transgenerationale Traumata auf, die über die mütterliche Linie weitergegeben wurden – und verwebt so persönliche und historische Kämpfe.
Die Premiere markiert einen mutigen Schritt, genderfluide Erzählungen ins mainstream Theater zu tragen. Mit der ausverkauften Erstaufführung unterstreicht die Adaption die anhaltende Wirkung des Romans seit seinem doppelten Preistriumph. Kim de l'Horizons Werk fordert das Publikum weiterhin heraus, Identität, Erinnerung und das Gewicht des vererbten Schweigens neu zu denken.






