Gogols Revisor kehrt mit Meyerholds Geist nach St. Petersburg zurück

Clara Meyer
Clara Meyer
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Ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" mit Text und einem Logo auf der sichtbaren Seite.Clara Meyer

Gogols Revisor kehrt mit Meyerholds Geist nach St. Petersburg zurück

Am Sankt Petersburger Alexandrinski-Theater feiert eine Neuinszenierung von Der Revisor Premiere – eine Rückkehr zu den historischen Wurzeln des Stücks. Unter der Regie von Waleri Fokin wird die bahnbrechende Bühnenbildgestaltung Wsewolod Meyerholds aus dem Jahr 1926 wiederbelebt, angereichert mit kühnen zeitgenössischen Akzenten. Zu den Gästen der Vorstellung zählte auch Michail Piotrowski, der Direktor der Eremitage, der in der Zarenloge Platz nahm, während die kaiserliche Hymne erklang.

Das Alexandrinski-Theater brachte Der Revisor erstmals 1836 auf die Bühne – damals soll Zar Nikolaus I. nach der Aufführung ausgerufen haben: "Was für ein Stück! Jeder hat sein Fett wegbekommen – aber ich am meisten!" Ein Jahrhundert später inszenierte Meyerhold hier seine radikale Interpretation des Werkes. Fokin, der das Stück bereits 2002 in Szene setzte, greift nun Meyerholds avantgardistischen Geist auf und deutet ihn neu.

In der Produktion von 2026 übernimmt Tichon Schisnewski, bekannt aus Major Grom, die Rolle des Chlestakow – eine Figur, die Fokin als gescheiterten Spieler neu konzipiert, der sich durch seine eigenen Machtfantasien verwandelt. Seine Lügen beschwören ein Alter Ego herauf, eine Gestalt, berauscht von Größenwahn. Sergei Parschin verkörpert den Stadtvorsteher mit groteskem Esprit und verbindet absurde Überzeichnung mit natürlichem Sprachduktus.

Fokin webt die Zarenhymne Gott bewahre den Zaren! in die Aufführung ein, vorgetragen von einem Trio, das sich direkt an die Zarenloge wendet. Den Abschluss des Abends bildet ein Nachspiel: Vier Kritiker betreten die Bühne, zerpflücken das Stück in Echtzeit und ziehen sogar die Schauspieler in die Diskussion hinein.

Diese Neuinszenierung spannt den Bogen über 190 Jahre Theatergeschichte – von der Uraufführung unter Nikolaus I. über Meyerholds Experimente bis zu Fokins moderner Deutung. Mit ihrer Mischung aus historischem Detailreichtum und meta-theatralischem Kommentar bietet die Produktion einen frischen Blick auf Gogols Satire. Die Spielzeit am Alexandrinski-Theater führt damit die Tradition des Stücks genau dort fort, wo es einst einen Zaren skandalisierte.

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