Frau kämpft um Anerkennung ihrer psychogenen Erblindung vor Gericht
Clara MeyerPsychogene Blindheit: Oberverwaltungsgericht prüft Anspruch - Frau kämpft um Anerkennung ihrer psychogenen Erblindung vor Gericht
Eine Frau aus dem Kreis Steinfurt kämpft um die rechtliche Anerkennung ihrer psychogenen Erblindung – einer Erkrankung, bei der der Sehverlust ohne körperliche Schäden an den Augen auftritt. Ihr Fall ist nun vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen gelandet, wo am 27. Februar 2024 ein Urteil erwartet wird, nachdem sie jahrelang juristisch um Anerkennung gerungen hat.
Streitpunkt ist, ob ihr Zustand nach deutschem Recht als Blindheit anerkannt wird. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hatte ihre Anträge auf finanzielle Unterstützung und Behindertenleistungen wiederholt abgelehnt.
Die Klägerin hatte bereits 2018 vor dem Verwaltungsgericht Münster geklagt, doch das Verfahren verzögerte sich aufgrund der COVID-19-Pandemie. Das Gericht entschied damals nicht, ob ihre Erblindung echt, übertrieben oder vorgetäuscht war – die Frage blieb damit ungeklärt.
Medizinische Gutachten förderten später Widersprüche zutage: Ein Experte der Universität Tübingen stellte fest, dass ihr rechtes Auge fast normal funktionierte, während das linke sogar über eine sehr gute Sehkraft verfügte. Dennoch besteht die Frau darauf, dass ihre Blindheit auf schwere psychische Traumata zurückgeht – ein Zustand, der als psychogene Erblindung bekannt ist.
Der LWL wies ihre Forderungen zurück mit der Begründung, das deutsche Recht erkenne psychogene Erblindung nicht als Form der gesetzlichen Blindheit an. Diese Haltung führte zu ihrer Berufung, die das OVG aufgrund der grundsätzlichen rechtlichen Bedeutung annahm. In anderen europäischen Ländern gibt es bisher keine verbindlichen Urteile zu ähnlichen Fällen, obwohl am Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg angeblich ein separates Verfahren läuft.
Das OVG wird sein Urteil unmittelbar nach der mündlichen Verhandlung am 27. Februar 2024 verkünden. Die Entscheidung könnte richtungsweisend dafür werden, wie psychogene Erkrankungen in künftigen Anträgen auf Behindertenleistungen behandelt werden.
Das Urteil wird darüber entscheiden, ob die Klägerin finanzielle Unterstützung und Behindertenleistungen erhält. Zudem könnte es beeinflussen, wie deutsche Behörden psychogene Erkrankungen in Rechtsstreitigkeiten bewerten. Eine endgültige Entscheidung wird noch am Tag der Verhandlung erwartet.






