16 January 2026, 08:16

Wie ein Zauberbuch 1704 eine spektakuläre Gefängnisflucht in Bad Tölz ermöglichte

Ein offenes mittelalterliches Manuskript, eine Bibl Mazarine, mit detaillierter schwarzer Kalligraphie auf seinen Seiten gegen einen dunklen Hintergrund.

Wie ein Zauberbuch 1704 eine spektakuläre Gefängnisflucht in Bad Tölz ermöglichte

Ein jahrhundertealtes Manuskript, bekannt als das "Tölzer Zauberbuch", ist in akademischen Kreisen wieder in den Fokus gerückt. Dr. Christoph Bachmann, Leiter des Münchner Staatsarchivs, veröffentlichte kürzlich eine Studie über den rätselhaften Text und brachte ihn mit einer kühnen Gefängnisflucht aus dem 18. Jahrhundert in Verbindung. Seine aktuelle Arbeit knüpft an Jahrzehnte der Forschung zu ungewöhnlichen historischen Fällen an.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Georg Schmidt, ein Mann aus Lenggries, der 1704 aus dem Gefängnis von Bad Tölz ausbrach. Akten zufolge nutzte er Zaubersprüche aus dem "Tölzer Zauberbuch" – einer handschriftlichen Sammlung von Beschwörungsformeln –, um seine Flucht zu unterstützen. Der Fall weckte das Interesse von Dr. Bachmann, dessen wissenschaftliches Augenmerk oft auf rätselhaften Kriminalgeschichten liegt.

Mit 62 Jahren hat sich Bachmann jahrzehntelang mit Themen beschäftigt, die von der Rechtsordnung der NS-Zeit bis zu agrarischen Reformen reichen. Doch seine Faszination für Okkultismus und ungelöste Mysterien führte ihn zu diesem besonderen Dokument. Das Manuskript selbst bleibt ein geheimnisumwittertes Artefakt, das Volksglauben mit historischer Realität verbindet.

Bachmanns Erkenntnisse werfen neues Licht auf eine längst vergessene Episode der bayerischen Geschichte. Das "Tölzer Zauberbuch" steht nun als kurioses Relikt und greifbare Spur einer verwegenen Flucht. Sein Artikel stellt sicher, dass die Geschichte von Georg Schmidt – und die Macht des Glaubens – nicht in Vergessenheit gerät.