Weihnachts-Fernseh-Chaos: Geld ist super und alles ist erlaubt
Weihnachtsfernsehen bot dieses Jahr eine Mischung aus opulenten Dramen, skurrilen Auktionen und romantischen Abenteuern. Von historischen Stoffen, die berühmte Persönlichkeiten neu interpretieren, bis hin zu modernen Märchen – das Programm der Feiertage vereinte Kitsch mit mutigem Storytelling. Ein besonderer Moment gelang der Sendung Bargain Hunt, wo ein kurioses Porzellanschätzchen eine heftige Bieterschlacht auslöste – nicht alle gingen jedoch als Gewinner hervor.
Besondere Aufmerksamkeit erregte die Weihnachtssonderfolge von Bargain Hunt auf ZDF, als Beate und Heidelinde ihr Drüselkästchen unter den Hammer brachten. Das aufwendig gestaltete Porzellanstück, hergestellt von der Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur Meißen, wurde zum Star der Show. Die Gebote stiegen bis auf 11.200 Euro – weit über den Erwartungen.
Dagegen hatte die ehemalige Germany’s Next Topmodel-Kandidatin Larissa Marolt weniger Glück: Ihr in Massen produzierter Jubiläumsanhänger fand keinen Käufer zum gewünschten Preis von 7.000 Euro. Anders als die meisten Weihnachts-TV-Protagonisten verließ sie die Sendung weder reicher noch glücklicher.
In der fiktionalen Unterhaltung dominierten historische und romantische Themen. Die Serie Mozart/Mozart nahm sich künstlerische Freiheiten im Wien des 18. Jahrhunderts und zeigte Leopold Mozart in einer Liebesbeziehung mit einer Frau of Color, während seine Tochter Maria Anna eine Affäre mit dem Rivalen Salieri hatte. Selbst eine fiktive Begegnung, in der Mozart mit Marie-Antoinette schlief, wurde eingebaut.
Auf der anderen Seite des Atlantiks beendete Emily in Paris seine jüngste Staffel mit einem radikalen Schritt: Emily, gespielt von Lily Collins, kündigte ihren Job und zog nach Rom – die „wahre Hauptstadt der Liebe“, wie sie verkündete. Dort gründete sie eine neue Agentur und ließ Paris hinter sich. Dieser Plot folgte einem wiederkehrenden Muster in Weihnachtsfilmen, in dem amerikanische Heldinnen im Ausland die Liebe finden – selten jedoch mit deutschen Adligen.
Kritiker bemängelten, dass festliche Filme den Kapitalismus oft hinter einer Schicht aus Kitsch verbergen. Prunkvolle Schlösser und Adelstitel stehen im Mittelpunkt, doch am Ende geht es meist um den materiellen Wert – nicht um die Figuren selbst. Dieses Schema gilt für historische Dramen wie für moderne Liebesgeschichten gleichermaßen.
Das Weihnachtsfernsehen 2023 bot Spektakel in allen Varianten: von rekordverdächtigen Auktionsbieten bis zu skandalösen historischen Wendungen. Während die meisten Charaktere bis zum Abspann zu Reichtum oder Glück kamen, blieb Larissa Marolts unverkaufter Anhänger eine seltene Ausnahme. Die Mischung aus Romantik, Fantasie und Kommerz bewies einmal mehr: Festliche Unterhaltung lebt vom Übermaß.