TMZ erobert Washington: Wie Boulevardjournalismus die Politik verändert
Jonas MayerTMZ erobert Washington: Wie Boulevardjournalismus die Politik verändert
Ein ehemaliger Reality-TV-Star regiert nun seit sechs Jahren vom Weißen Haus aus. Um ihn herum vermischen sich Washingtons politische Szene und die Prominentenkultur auf unerwartete Weise. Diese Woche begrüßte sogar das Pentagon einen ungewöhnlichen Neuling in seinen Pressebriefings: TMZ, das Boulevardportal, das sowohl Stars als auch Politiker gnadenlos verfolgt.
TMZ wurde 2005 von Harvey Levin gegründet, der über die Jahre ein wechselhaftes Verhältnis zum Präsidenten pflegte. Das für seinen aggressiven Berichterstattungsstil bekannte Portal dringt nun in die politische Berichterstattung vor – und das ohne offizielle Presseakkreditierung. Statt auf Zugang zum Kongress zu setzen, jagt das Washington-Team von TMZ Abgeordnete für spontane Interviews und bittet die Öffentlichkeit, ungestellte Fotos von Politikern einzusenden.
Bei einer kürzlichen Pressekonferenz im Pentagon bezeichnete Verteidigungsminister Pete Hegseth TMZ offen als "neue Mitglieder unserer Pressegruppe". Dieser Schritt deutet auf einen Wandel hin, wie Washington mit Medien umgeht – auch wenn TMZ-Methoden oft von traditionellem Journalismus abweichen. Die Plattform steht in der Kritik, weil sie Quellen für Tipps bezahlt, eine Praxis, die die meisten Nachrichtenorganisationen meiden.
Die Vermischung von Politik und Unterhaltung ist für diese Regierung nichts Neues. Im Kabinett des Präsidenten finden sich ein ehemaliger Wrestling-Funktionär und ein Ex-Teilnehmer der Reality-Show The Real World. Gleichzeitig statteten kürzlich Stars der Real Housewives-Reihe dem Kapitol einen Besuch ab und verwischten so weiter die Grenzen zwischen Popkultur und Regierungsarbeit.
TMZ hat mit seinen politischen Enthüllungen bereits für Aufsehen gesorgt. Anfang dieses Jahres veröffentlichte das Portal ein Foto von Senator Lindsey Graham (Republikaner, South Carolina), der inmitten einer politischen Krise mit einem Zauberstab in Disney World posierte. Das Bild ging viral und unterstrich TMZ' Talent, unbewachte Momente einzufangen.
Das Vertrauen der Öffentlichkeit in Washington bleibt gering: Der Kongress verzeichnet eine Ablehnungsquote von 86 Prozent, während die Zustimmung zum Präsidenten bei nur 33 Prozent liegt. Während TMZ seine politische Berichterstattung ausbaut, könnte sein konfrontativer Stil und die Abhängigkeit von Einsendungen der Öffentlichkeit die Art und Weise verändern, wie Politiker mit den Medien interagieren. Die wachsende Präsenz des Portals deutet darauf hin, dass die Grenzen zwischen Klatschberichterstattung und politischem Journalismus vorerst noch durchlässiger werden.






