Tausende protestieren in NRW gegen sexualisierte und digitale Gewalt
Lukas AlbrechtTausende protestieren in NRW gegen sexualisierte und digitale Gewalt
Tausende sind in Nordrhein-Westfalen auf die Straße gegangen, um stärkere Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt zu fordern. Am Wochenende zogen Proteste in Köln und Bonn große Menschenmengen an – die Demonstrantinnen und Demonstranten verlangten Rechtsreformen und besseren Schutz für Frauen. Die Kundgebungen folgen auf jüngste Enthüllungen zu digitaler Gewalt und steigende Zahlen geschlechtsspezifischer Übergriffe in ganz Deutschland.
Am Samstag demonstrierten trotz Kälte und Regen mehr als 5.000 Menschen in Köln. Die Proteste spiegelten die wachsende öffentliche Empörung über sexualisierte Gewalt wider; Rednerinnen und Redner riefen Männer dazu auf, sich gegen frauenfeindliches Verhalten zu stellen.
Einen Tag später versammelten sich Hunderte auf dem Bonner Marktplatz vor dem Alten Rathaus. Organisiert von einem Bündnis aus Stadtratsparteien – Grünen, CDU, SPD und Volt – erhielt die Veranstaltung breite politische Unterstützung. Politikerinnen der Frauen-Union der CDU schlossen sich den Forderungen nach schärferen gesetzlichen Schutzmaßnahmen an.
Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zu dem Thema und erntete dafür lauten Applaus. Alle Rednerinnen und Redner in Bonn betonten, wie wichtig es sei, dass Männer Verantwortung im Kampf gegen Gewalt übernehmen.
Die Demonstrationen erfolgten vor dem Hintergrund einer Spiegel-Recherche, die Vorwürfe digitaler Gewalt gegen die Schauspielerin Collien Fernandes durch ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, aufdeckte. Der Fall hat die Debatte über Online-Missbrauch verschärft. Bundesweite Statistiken verzeichnen für 2024 bereits 18.224 gemeldete Fälle digitaler Gewalt gegen Frauen und Mädchen – ein Anstieg von 6 Prozent im Vergleich zu 2023.
Als Reaktion kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) Pläne für ein Gesetz zum Schutz vor digitaler Gewalt an, das im Frühjahr 2026 in Kraft treten soll. Der CDU-Politiker Günter Krings drängt auf weitere Reformen, darunter die Strafbarkeit unbefugter GPS-Überwachung und von Deepfake-Pornografie sowie eine Ausweitung der Entschädigungsansprüche für Betroffene.
Die Proteste in Köln und Bonn zeigen die breite Besorgnis über sexualisierte und digitale Gewalt. Angesichts steigender Fallzahlen und anhaltender rechtlicher Diskussionen wächst der Druck auf die Politik, bestehende Schutzlücken zu schließen. Die für 2026 geplante Gesetzgebung könnte ein erster Schritt sein, um diesen Forderungen nachzukommen.






