Solingens Schulreform: SPD will Vielfalt durch Zwei-Säulen-Modell ersetzen
Henry KochSolingens Schulreform: SPD will Vielfalt durch Zwei-Säulen-Modell ersetzen
Solingens Schulsystem steht vor tiefgreifenden Veränderungen – falls die SPD in Nordrhein-Westfalen die nächste Landtagswahl gewinnt. Die Partei plant, die bisherige vielfältige Schulstruktur bis 2032 durch ein Zweisäulenmodell zu ersetzen: dann gäbe es nur noch Gymnasien und Gesamtschulen. Lokale CDU-Politiker warnen, das bestehende System erfülle die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler sowie die Anforderungen der heimischen Industrie weit besser.
Das Solinger Bildungsangebot umfasst derzeit Grundschulen, Förderschulen, Hauptschulen, Gesamtschulen, Realschulen, Gymnasien und Berufskollegs – eine Vielfalt, die den "Arbeiterstadt"-Charakter der Stadt widerspiegelt. Hier sind handwerkliche Berufe und praxisnahe Ausbildungen nach wie vor von zentraler Bedeutung. Viele Jugendliche beginnen nach der Schule eine Lehre statt ein Studium.
Die von der SPD vorgeschlagene Reform würde das System vereinfachen: Nach der Grundschule gäbe es nur noch die Wahl zwischen Gymnasium und Gesamtschule. Kritiker wie die CDU-Stadträtin Simone Lammert befürchten jedoch, dass dadurch die Auswahl eingeschränkt und die berufliche Orientierung geschwächt würde. Besonders die Realschulen bieten wichtige Brücken in die duale Ausbildung – ein zentraler Baustein für Solingens industriell geprägte Wirtschaft.
Torsten Küster (CDU) betont, das aktuelle System berücksichtige die unterschiedlichen Stärken und Karrierewege der Schüler. Er pocht darauf, die "Schulfriedens"-Vereinbarung – ein Pakt, der die Politisierung des Bildungssystems vermeiden soll – einzuhalten. Lammert fügt hinzu, die SPD riskiere mit ihren Plänen sogar Wahlniederlagen, da sie sowohl die Interessen der Jugendlichen als auch die der lokalen Unternehmen ignoriere.
Andere NRW-Städte wie Köln oder Aachen haben bereits integriertere Modelle eingeführt, etwa inklusive Universitätsschulen oder erweiterte Gesamtschulangebote. Doch Solingens CDU hält an der bestehenden Vielfalt fest – nicht zuletzt wegen der engen Verzahnung mit der beruflichen Bildung.
Das Zwei-Säulen-Modell der SPD würde Realschulen und Berufskollegs aus Solingens Schullandschaft streichen. Das könnte den Übergang in Ausbildung oder weiterführende Bildungsgänge grundlegend verändern. Bis zur nächsten Landtagswahl bleibt das aktuelle System jedoch vorerst bestehen – die Zukunft der Solinger Schulen hängt nun von der Wahlentscheidung ab.