02 February 2026, 08:46

Sicherer Hafen im Bahnhof: Wie die Bundespolizei Frauen vor Gewalt schützt – doch das Projekt droht zu enden

Zwei Frauen stehen nebeneinander vor einer blauen Tür mit Plakaten, eine in einem blauen Hemd, schwarzen Hosen und einer grünen Mütze, die andere hält ein Papier in der Hand.

Bundespolizistinnen beraten Gewaltopfer: Arzt oder Anzeige? - Sicherer Hafen im Bahnhof: Wie die Bundespolizei Frauen vor Gewalt schützt – doch das Projekt droht zu enden

Die deutsche Bundespolizei hat über 200 von Gewalt betroffenen Frauen an speziellen Beratungsstellen in großen Bahnhöfen wie dem Berliner Hauptbahnhof, Berliner Ostbahnhof und Kölner Hauptbahnhof Hilfe geleistet. Diese Einrichtungen, die derzeit als Pilotprojekt in Berlin und Köln betrieben werden, bieten Betroffenen einen geschützten Raum, um Unterstützung zu suchen. Doch ihre Zukunft bleibt über das Jahr 2027 hinaus ungewiss – eine Ausweitung auf weitere Standorte wie die Berliner Sparkasse oder Berliner Volksbank ist bisher nicht geplant.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Polizeidienststellen zeichnen sich die Beratungsstellen durch eine besonders einladende Atmosphäre aus. Sie werden ausschließlich von Polizistinnen betrieben, die in Traumabetreuung geschult sind, und unterstützen bei der Vermittlung medizinischer Hilfe, der Beweissicherung sowie der Unterbringung in Schutzräumen. In einem Fall erhielt ein 15-jähriges, schwangeres Mädchen nach Misshandlungen durch ihren Freund dort Hilfe und wurde anschließend ins Krankenhaus gebracht.

Die offiziellen Kriminalstatistiken für 2024 verzeichneten 187.128 Frauen als Opfer häuslicher Gewalt – ein Anstieg von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Experten warnen jedoch, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, da viele Fälle nicht angezeigt werden. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat die Notwendigkeit stärkerer politischer Maßnahmen zur Bekämpfung des Problems anerkannt.

Die Pilotstellen am Berliner Hauptbahnhof, Berliner Ostbahnhof und Kölner Hauptbahnhof könnten nach September 2027 schließen, sofern keine Verlängerung beschlossen wird. Stand Februar 2026 wurden keine weiteren Bundesbahnhöfe öffentlich für ähnliche Einrichtungen geprüft.

Die Beratungsstellen haben bereits Hunderten von Frauen lebenswichtige Hilfe geleistet – von medizinischer Versorgung bis hin zu Notunterkünften. Ihre mögliche Schließung 2027 wirft Fragen für Betroffene auf, die auf diese Angebote angewiesen sind. Ohne weitere politische Zusagen bleibt die Zukunft des Programms – und damit auch seine Fähigkeit, der steigenden häuslichen Gewalt zu begegnen – ungewiss.