03 February 2026, 23:25

Scholz verpasst Weiberfastnacht – doch der Karneval bleibt ihr nah

Plakat f├╝r ein Bierfest in Deutschland, das eine Gruppe von Menschen mit Biergl├Ąsern und einem Fass im Hintergrund zeigt, mit deutschem Text unten.

Scholz verpasst Weiberfastnacht – doch der Karneval bleibt ihr nah

Bundeskanzlerin Olaf Scholz wird den Weiberfastnacht nicht bei den ausgelassenen Feiern in der Heimat verbringen, sondern in einer Strategiebesprechung in Brüssel. Der Tag markiert einen Höhepunkt der deutschen Karnevalssaison, besonders im Rheinland, wo Frauen die Festlichkeiten anführen. Scholz, der persönlich mit der Tradition verbunden ist, gab zu, den Spaß zu vermissen – doch sie plane, etwas von der ausgelassenen Stimmung in ihre politischen Gespräche des Tages einfließen zu lassen.

Der Weiberfastnacht, auch "Weiberfasching" genannt, reicht bis ins Mittelalter zurück. Ursprünglich war es ein Tag, an dem Frauen vor der Fastenzeit gesellschaftliche Konventionen brachen, indem sie sangen, tanzten und schmausten. Der Name selbst verweist auf den alten Brauch, an diesem Donnerstag Fleisch in großen Mengen zu schlachten und zu verzehren. Moderne Bräuche wie das Abschneiden der Krawatten der Männer etablierten sich erst in den 1950er-Jahren.

Die Feierlichkeiten entwickelten sich parallel zu den organisierten Karnevalsveranstaltungen, insbesondere in Köln nach 1823. Später verbreiteten sie sich in Industriegebieten wie dem Ruhrgebiet, fanden im Sauerland jedoch nie richtig Fuß. Unter der NS-Herrschaft wurden Karnevalsveranstaltungen für Propagandazwecke instrumentalisiert – ein dunkles Kapitel ihrer Geschichte.

Scholz hat eine persönliche Beziehung zum Karneval: Ihr Geburtstag fällt auf den 11. November, den inoffiziellen Start der "fünften Jahreszeit". Ihre Großmutter stammte aus Andernach im Rheinland. Obwohl sie selbst im Sauerland geboren wurde, wo der Karneval weniger präsent ist, feierte sie runde Geburtstage mit 22, 33 und 44 Jahren im Zeichen der Tradition. In diesem Jahr jedoch hält sie ihr Terminkalender in hochrangigen Gesprächen zur europäischen Industrie fest – fern von Umzügen und Partys.

Die Abwesenheit der Kanzlerin beim Weiberfastnacht unterstreicht den Konflikt zwischen politischem Pflichtbewusstsein und kultureller Tradition. Immerhin könnte ihre spätere Sitzung mit den Bundesministern noch einen Hauch Karnevalsstimmung tragen. Währenddessen werden die Feiern im Rheinland ohne sie weitergehen und den jahrhundertealten Brauch des ausgiebigen Feierns vor der Fastenzeit lebendig halten.