Reutlingens Tippfehler-Kobold schafft skurrile Verwirrung mit kreativen Pannen
Clara MeyerReutlingens Tippfehler-Kobold schafft skurrile Verwirrung mit kreativen Pannen
Eine Serie skurriler Tippfehler und Druckfehler sorgt seit Monaten in Reutlingen für Verwirrung
Von Museumsausstellungen bis zu offiziellen Bekanntmachungen haben kleine Patzer zu unerwarteten – und oft amüsanten – Ergebnissen geführt. Die Fehler reichen von harmlosen Verwechslungen bis hin zu völlig neuen städtischen Abteilungen, die plötzlich aus dem Nichts auftauchten.
Der Ärger begann im Naturkundemuseum Reutlingens, wo ein Schild versehentlich ein "Filz"-Objekt als "Pilz" beschrieb. Besucher rätselten über die plötzliche botanische Wendung in einer ansonsten geologischen Ausstellung.
Im Juni löste ein Kochrezept Ratlosigkeit aus, als statt einer Zutat "Pigment" aufgelistet war. Im selben Monat kündigte der Wochenmarkt eine "Kirchenernte" an – die Anwohner fragten sich, ob es um Feldfrüchte oder Gemeindemitglieder ging. Später verkündeten Veranstalter die Eröffnung einer Kneipp-Einrichtung, obwohl es dafür nie Pläne gegeben hatte. Selbst offizielle Dokumente blieben nicht verschont: Ein fehlendes "L" verwandelte "Beschlüsse des Gemeinderats" in "Hinrichtungen" und machte aus "erschlossenem" Bauland ein "beschossenes". Der spektakulärste Lapsus entstand durch einen einzigen Tastendruck, der eine brandneue Behörde schuf: das Amt für "Tierbau", Grünflächen und Umwelt. Was es mit diesem "Tierbau" auf sich hat, blieb bis heute ungeklärt.
Auch die Medien trugen zum Chaos bei. In der Ankündigung eines Interviews mit dem Aktivisten Can Dündar hieß es fälschlich, er werde über die politische Lage in der Türkei mit dem "General" statt mit dem "Präsidenten" sprechen. Ein weiterer Vorschlag für ein Dündar-Interview im November 2024 verunstaltete das Wort "Mordopfer" – wie genau, blieb unklar. Unterdessen verkündete der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck seinen Rückzug aus der Politik, um eine "Gas"-Gastprofessur in Berkeley anzutreten – vermutlich ein Tippfehler für "Gast"-Professur.
Sogar öffentliche Veranstaltungen litten unter den Pannen. Beim "Fest der Gemästeten" im Mai fragten sich Besucher, ob es um Viehzucht oder kulinarische Traditionen ging. Ein Flohmarkt für "Bücher" wurde auf dem Leonhardsplatz beworben – doch manche lasen darin ein ganz anderes Wort.
Hinter den Kulissen fasste der sogenannte "Tippfehler-Kobold" seine Philosophie zusammen: "Was wahr war, war. Was ist, frisst. Und was sein wird, das wird die Zeit weisen."
Die Serie der Missgeschicke hat Reutlingens Bürger gleichermaßen belustigt und genervt. Ob die hartnäckigsten Fehler noch korrigiert werden, ließen die Verantwortlichen bisher offen. Vorerst bleibt das Werk des Tippfehler-Kobolds auf Schildern, Dokumenten und Ankündigungen verstreut – und wartet auf den nächsten Fingerfehler.