19 March 2026, 16:35

Psychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Wartezeiten

Blauer Hintergrund mit weißer Schrift und einem weißen Kreis-Logo mit einer blauen Umrandung, das eine neue Regel zur Stärkung der geistigen Gesundheit umrandet.

Psychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Wartezeiten

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste gegen geplante Honorarkürzungen vor, die für diesen Donnerstag anstehen. In Städten wie Köln, Düsseldorf und Dortmund werden Demonstrationen stattfinden, während Fachleute warnen, dass die Kürzungen die ohnehin schon prekäre Versorgung mit psychotherapeutischen Leistungen weiter verschlechtern könnten. Patientinnen und Patienten im Land müssen bereits jetzt im Schnitt fünf Monate auf einen Ersttermin warten.

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Ab dem 1. April 2026 werden die Krankenkassen die Erstattungssätze für psychotherapeutische Behandlungen um 4,5 Prozent senken. Die Psychotherapeutenkammer NRW zeigt sich besorgt, dass diese Kürzungen ein bereits überlastetes System zusätzlich belasten könnten. Aktuell warten Patientinnen und Patienten in NRW durchschnittlich fünf Monate auf einen ersten Termin.

Die finanziellen Hürden beim Betrieb einer Praxis verschärfen die Situation. Moritz Esser-Wolters, Psychotherapeut in Coesfeld, investierte 50.000 Euro, um seine Praxis zu eröffnen. Die Sicherung eines Kassensitzes – der für die Behandlung von Kassenpatienten erforderlichen Zulassung – ist nicht nur kostspielig, sondern auch hochkompetitiv, ohne dass es einheitliche Preise gibt.

Bundesweit fehlen in Deutschland nach Schätzungen der Kammern für die Jahre 2023–2024 mindestens 7.000 Kassensitze. Besonders betroffen sind ländliche Regionen. Zudem zählen Psychotherapeutinnen und -therapeuten zu den am schlechtesten bezahlten Fachärztinnen und Fachärzten im deutschen Gesundheitssystem, was die Nachwuchsgewinnung zusätzlich erschwert.

Die geplanten Honorarkürzungen könnten noch mehr Behandler dazu veranlassen, sich aus der Behandlung von Kassenpatienten zurückzuziehen. Die Folge wären noch längere Wartezeiten für Betroffene oder die Notwendigkeit, teure Privatbehandlungen in Anspruch zu nehmen – eine Option, die sich viele nicht leisten können.

Die Proteste unterstreichen die wachsenden Sorgen um den Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung in NRW. Angesichts bereits jetzt langer Wartezeiten und eines eklatanten Mangels an zugelassenen Praxen drohen die Kürzungen die Behandlungssituation weiter zu verschärfen. Das Ergebnis könnte sein, dass sich noch weniger Therapeuten bereit erklären, Kassenpatienten zu behandeln – und damit noch mehr Hilfesuchende ohne zeitnahe Unterstützung bleiben.

Quelle