NRW setzt auf neues Kita-Modell gegen akuten Fachkräftemangel in der Betreuung
Clara MeyerNRW setzt auf neues Kita-Modell gegen akuten Fachkräftemangel in der Betreuung
Nordrhein-Westfalen reformiert Betreuungssystem für Kinder
Nordrhein-Westfalen steht vor einer Reform seines Kita-Systems durch ein neues Gesetz, das von Familienministerin Verena Schäffer vorgeschlagen wurde. Der Plan sieht ein sogenanntes "Kern-und-Rand"-Modell vor, das es Kindertageseinrichtungen ermöglicht, mit einer Mischung aus voll qualifizierten Fachkräften und ergänzenden Fachkräften zu arbeiten. Schäffer begründet die Änderung mit dem akuten Mangel an ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern.
Das geplante Kindertagesbetreuungsgesetz teilt den Kita-Tag in zwei Abschnitte. Für fünf Stunden "Kernzeit" pro Tag sollen voll qualifizierte Kräfte eingesetzt werden, während die verbleibenden "Randstunden" von ergänzenden Fachkräften abgedeckt werden – diese absolvieren eine zweijährige statt dreijährige Ausbildung. Schäffer betont, dass dieses Modell die Einrichtungen auch dann funktionsfähig halte, wenn Stellen für Erzieher unbesetzt bleiben.
Kritiker warnen jedoch vor möglichen Qualitätsverlusten. Zwar soll das Modell die Verlässlichkeit der Betreuung erhöhen, doch befürchten manche, dass die kürzere Ausbildung der ergänzenden Kräfte die pädagogischen Standards schwächen könnte. Die Reform orientiert sich an Vorbildern aus anderen Bundesländern wie Bayern, wo Kernzeiten zwar die Planung für Eltern erleichtert haben, gleichzeitig aber zu Personalengpässen und Burnout führten.
In Ländern wie den Niederlanden oder Schweden haben ähnliche Systeme bereits gezeigt, dass sich Qualität und Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Einklang bringen lassen. Dennoch bleiben Herausforderungen – insbesondere in ländlichen Regionen und bei begrenzten finanziellen Mitteln. Schäffer versichert, dass das neue Gesetz die Kinderbetreuung stabilisiere, ohne die Betreuungsqualität zu beeinträchtigen.
Die Reform soll Kitas ermöglichen, flexibler auf Personalmangel zu reagieren, indem sie eine gestufte Belegschaft einsetzen: Die Kernzeiten werden von voll ausgebildeten Fachkräften betreut, während in den Randzeiten Kräfte mit kürzerer Ausbildung zum Einsatz kommen. Die Landesregierung erhofft sich dadurch eine zuverlässigere Kinderbetreuung und eine Entlastung bei der anhaltenden Personalsuche.