NRW-Krankenhäuser: Alarmierende Lücken bei der Katastrophenvorsorge
Jonas MayerNRW-Krankenhäuser: Alarmierende Lücken bei der Katastrophenvorsorge
Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen (NRW) kämpfen mit der Vorbereitung auf Großschadenslagen
Eine aktuelle Umfrage deckt gravierende Lücken in Infrastruktur, Ausstattung und Finanzierung auf – viele Einrichtungen wären im Krisenfall kaum handlungsfähig. Behörden räumen ein, dass knappe Haushaltsmittel dringend notwendige Verbesserungen blockieren, darunter den geplanten Aufbau eines Notfallzentrums in Köln.
Bei einer jüngsten Erhebung unter 53 NRW-Kliniken zeigte sich, dass zwar 40 über Notstromaggregate verfügen, doch nur etwas mehr als die Hälfte könnte drei Tage lang ohne externe Stromversorgung auskommen. Das Bergmannsheil, ein Krankenhaus in Bochum, entspricht diesem Trend: Im Keller stehen fünf Dieselgeneratoren mit Treibstoff für 72 Stunden. Doch beim Wasser gibt es erhebliche Defizite – nur jede fünfte Klinik hält einen Vorrat an Flaschenwasser für eine Woche vor, die meisten sind vollständig auf externe Lieferungen angewiesen.
Die städtischen Kliniken Kölns hatten einen zweistöckigen unterirdischen Raum vorgeschlagen, der im Normalbetrieb als Parkhaus und im Katastrophenfall als medizinisches Notfallzentrum dienen könnte. Doch das Projekt scheitert an der Finanzierung. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bestätigte, dass keine Landesmittel verfügbar seien, verwies jedoch auf mögliche Bundesmittel aus dem Verteidigungsetat. Gleichzeitig gibt es keine Belege dafür, dass die Bundeswehr in den vergangenen fünf Jahren Klinikpersonal in Katastrophenmedizin geschult hat.
Die meisten Krankenhäuser lagern essenzielle Medikamente für zwei bis sechs Wochen, doch Blutreserven wären im Ernstfall schnell aufgebraucht. Der Gesundheitsökonom Professor Boris Augurzky empfiehlt ein rotierendes Bevorratungssystem, um Engpässe und Verfallsrisiken zu vermeiden. Das Ministerium hat für dieses Jahr sechs Millionen Euro für ressortübergreifende Krisenübungen bereitgestellt und treibt gesetzliche Reformen voran, um die Widerstandsfähigkeit der Kliniken zu stärken.
Während des Kalten Krieges verfügte NRW noch über Hilfsbunker, die als medizinische Schutzräume genutzt wurden – sie sind heute allesamt geschlossen. Aktuell gibt es in der Region kein einziges Krankenhaus mit unterirdischem Schutzraum. Das von Wirbelsäulenspezialist Mirko Aach geleitete Bergmannsheil konzentriert sich auf Unfallversorgung und hat Pläne für kleinere Krisenszenarien, doch eine umfassende Notfallinfrastruktur fehlt.
Die Umfrage offenbart eklatante Schwächen in der NRW-Krankenhausvorsorge – von Strom und Wasser über Finanzierung bis hin zu Schulungen. Ohne zusätzliche Mittel bleiben viele Einrichtungen auf Großschadenslagen schlecht vorbereitet. Gesetzesreformen und Bundeshilfen könnten einige Defizite beheben, doch es braucht schnelles Handeln, um die Resilienz zu stärken.