04 February 2026, 07:07

NRW führt ABC-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten ein – doch Schulen sind überlastet

Eine Gruppe von Menschen, einige mit Taschen, geht vor einem großen weißen Gebäude mit Fenstern und Türen vorbei, umgeben von Bäumen unter einem klaren blauen Himmel, was darauf hindeutet, dass sie zu einer Schule in Deutschland gehen.

NRW führt ABC-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten ein – doch Schulen sind überlastet

Nordrhein-Westfalen plant verpflichtende ABC-Kurse für Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen vor der Einschulung

Bildungsministerin Dorothee Feller verspricht, dass kein Kind ohne ausreichende Sprachkompetenz die Schule beginnen soll. Kritiker warnen jedoch, dass das Vorhaben das bereits überlastete Bildungssystem weiter belasten könnte.

Im Jahr 2023 wurden rund 4.200 Kinder im Land wegen mangelnder Deutschkenntnisse in Frühförderprogramme aufgenommen. Künftig sollen Kinder, die bei Sprachstandstests durchfallen, verpflichtend an ABC-Kursen teilnehmen, um die Defizite auszugleichen. Doch Kommunen fragen sich, wie diese Kurse untergebracht werden sollen – viele Grundschulen, etwa in Solingen, sind bereits voll ausgelastet, teilweise findet Unterricht sogar in Fluren statt.

Die Lehrergewerkschaft VBE schlägt stattdessen ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr mit zusätzlichem Personal und Unterstützung durch Hochschulen vor. Die Belastung auf Schulen zu verlagern, die ohnehin unter Lehrkräftemangel leiden, könnte die Überlastung des Personals verschärfen und die Bildungsqualität mindern. Zudem wirft der mehrmalige wöchentliche Transport der Kinder zwischen Kita und Schule logistische Probleme auf.

Fachleute betonen, dass ohne zusätzliche Mittel für Räumlichkeiten oder Personal die ABC-Kurse nicht umsetzbar seien. Schulen fehle es an Platz und qualifizierten Kräften, um das Programm wirksam durchzuführen – mit der Gefahr von Frustration bei Lehrkräften und einer Verschlechterung der Förderqualität.

Ziel der ABC-Kurse ist es, dass alle Kinder mit ausreichenden Deutschkenntnissen in die Schule starten. Doch ohne weitere Ressourcen könnte die Maßnahme Schulen und Personal zusätzlich belasten. Kommunen und Gewerkschaften drängen auf praktikable Lösungen, bevor die Umsetzung beginnt.