26 January 2026, 13:14

Münsters grüner OB plant radikale Verkehrswende mit Tempo 30 und weniger Autos

Eine Stadtstraße mit Zebrastreifen, Gebäude mit Fenstern und Türen, geparkte Fahrräder und ein klarer blauer Himmel.

Münsters grüner OB plant radikale Verkehrswende mit Tempo 30 und weniger Autos

Münsters neuer Oberbürgermeister von den Grünen hat weitreichende Änderungen für das städtische Verkehrsnetz vorgestellt. Die Pläne umfassen ausgeweitete Tempo-30-Zonen, mehr Fahrradwege und strengere Regeln für Autofahrer. Die Oppositionsparteien haben die Maßnahmen bereits scharf kritisiert und warnen vor hitzigen Debatten in den kommenden Monaten.

Der im vergangenen Jahr beschlossene Mobilitätsmasterplan 2035 skizziert die Vision eines "klimaneutralen und stadtverträglichen" Verkehrssystems. Im Mittelpunkt stehen Sicherheit, Gesundheit sowie eine bessere Erreichbarkeit für Fußgänger, Radfahrer und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs. Die nun vorgelegten Vorschläge des Oberbürgermeisters sollen diese Ziele in konkrete Maßnahmen umsetzen.

Das Stadtzentrum wird fast flächendeckend zur Tempo-30-Zone erklärt – ein Ausbau früherer Koalitionspläne. Bisher wechseln die Geschwindigkeitsbegrenzungen für Autofahrer verwirrend alle paar hundert Meter; dieses Problem sollen die neuen Regeln beheben. Doch auch in den äußeren Stadtteilen werden Beschränkungen eingeführt: Durchgangsverkehr und schwere Lkw könnten auf bestimmten Straßen verboten werden.

Radfahrer und Busse erhalten durch die Reformen Vorrang. Zahlreiche Straßen werden zu Fahrradstraßen umgewidmet, wobei Radler Vorfahrt vor Autos erhalten. Zudem entstehen neue Busspuren, während öffentliche Parkplätze für Pkw reduziert werden. Die Kosten allein für den Ausbau und Neubau der Radinfrastruktur werden auf 50 Millionen Euro geschätzt – hinzu kommen Investitionen in Busspuren, Mobilitätsdrehscheiben und den Ausbau des ÖPNV-Angebots.

Der Widerstand formiert sich bereits. Die CDU, größte Oppositionspartei in Münster, wirft der grün-rot geführten Stadtregierung vor, Autofahrer unfair zu benachteiligen. Die kleinere FDP schließt sich an und argumentiert, die Pläne gingen zu weit. Angesichts bevorstehender Bauprojekte dürften die Sitzungen des Stadtrats zunehmend konfliktgeladen werden.

Die Strategie des Oberbürgermeisters setzt klar auf eine Abkehr vom motorisierten Individualverkehr und fördert stattdessen das Zu-Fuß-Gehen, Radfahren und den öffentlichen Nahverkehr. Falls die Pläne umgesetzt werden, könnten sie den Verkehr in Münster grundlegend verändern. Doch angesichts hoher Kosten und politischen Widerstands wird der Weg dorthin alles andere als einfach.