Mordprozess in Bielefeld: 32 Messerstiche – war es Notwehr oder vorsätzliche Tat?
Lukas AlbrechtAussage im Mordprozess: Angeklagter berichtet von Angriff - Mordprozess in Bielefeld: 32 Messerstiche – war es Notwehr oder vorsätzliche Tat?
In Bielefeld hat sich der Prozess gegen einen 44-jährigen Syrer eröffnet, der beschuldigt wird, seine Ehefrau durch multiple Messerstiche getötet zu haben. Der Fall sorgt für Aufsehen, nachdem der Angeklagte behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben – obwohl er einräumte, seiner Frau 32 Stichwunden zugefügt zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass die Tat aus einem Streit über familiäre Bindungen und eine geplante Auslandsreise resultierte.
Der Vorfall eskalierte nach einer Auseinandersetzung des Paares über einen geplanten Besuch bei Verwandten in den Niederlanden. Ermittler vermuten, dass der Angeklagte die fortlaufenden Kontakte seiner Frau zu Freunden und Familie nicht akzeptieren konnte, was die Konfrontation weiter anheizte.
Während des Streits soll der Mann seine Frau laut Anklage 32-mal mit einem Küchenmesser in den Oberkörper gestochen haben. Gegenüber der Polizei gab er später an, zuvor selbst einen Schlag in den Bauch erhalten zu haben; er beschrieb einen plötzlichen, heftigen Schmerz, bevor er sie attackierte. Die Behörden behandelten seine schwere Bauchverletzung zunächst als möglichen Suizidversuch.
Nach der Tat alarmierte der Angeklagte den Notruf. Als die Beamten eintrafen, fanden sie ihn verletzt neben der Leiche seiner Frau vor. Mittlerweile hat er den Tod seiner Frau eingeräumt, beharrt jedoch darauf, sich gegen einen Angriff verteidigt zu haben.
Im Prozess werden die widersprüchlichen Schilderungen der Auseinandersetzung geprüft – insbesondere die Behauptung des Angeklagten, in Notwehr gehandelt zu haben, sowie die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, es habe sich um eine vorsätzliche Tat gehandelt. Das Urteil wird klären müssen, ob die Messerattacke eine Reaktion auf eine Provokation war oder ein gezielter Tötungsakt, getrieben von persönlichen Konflikten.