10 February 2026, 20:10

Kölner Karneval verzichtet auf Putin-Spott – und löst damit eine Debatte aus

Ein Vintage-Plakat, das ein Karneval in Banche, Frankreich, bewirbt, zeigt Illustrationen von Menschen, Gebäuden und Text.

Kölner Karnevalisten verteidigen Fehlen von Putin-Schaukel - Kölner Karneval verzichtet auf Putin-Spott – und löst damit eine Debatte aus

Kölner Karnevalsumzug verzichtet in diesem Jahr auf einen Wagen mit Spott über Russlands Präsidenten Wladimir Putin

Die Entscheidung hat eine Debatte ausgelöst, doch die Veranstalter betonen, sie sei nicht aus Angst vor Repressalien getroffen worden. Unterdessen sieht sich der Düsseldorfer Designer Jacques Tilly, bekannt für seine politische Satire, nun mit strafrechtlichen Vorwürfen russischer Behörden konfrontiert – ausgelöst durch frühere Putin-bezogene Kreationen.

Umzugsleiter Marc Michelske verteidigte die Entscheidung, auf einen Putin-Wagen zu verzichten, und bezeichnete sie als bewusste Wahl, nicht als Fehler. Er wies Vorwürfe zurück, Bedenken wegen möglicher russischer Vergeltung hätten eine Rolle gespielt. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Kölner Festkomitees, unterstützte Michelskes Position und betonte, die Organisatoren stünden voll hinter ihrer Entscheidung.

Stattdessen werden in diesem Jahr andere politische Persönlichkeiten auf die Schippe genommen, darunter der ehemalige US-Präsident Donald Trump sowie die Spannungen innerhalb der deutschen Ampelkoalition. Die thematische Verschiebung bleibt nicht unbemerkt – besonders, da Tilly, der für Düsseldorf einen Putin-Wagen entwerfen sollte, nun wegen des laufenden Verfahrens mit Reisebeschränkungen konfrontiert ist.

Russische Behörden werfen Tilly vor, mit seinen satirischen Entwürfen "Falschinformationen" über das russische Militär verbreitet und Putin beleidigt zu haben. Zwar räumt Tilly die Ernsthaftigkeit der Lage ein, doch betont er, diese sei nichts im Vergleich zum Schicksal inhaftierter russischer Oppositioneller. Der Fall markiert eine neue Eskalation, da es bisher keine bekannten Fälle russischer juristischer Schritte gegen Karnevalssatire gab.

Trotz der Anklage lässt sich Tilly nicht einschüchtern, auch wenn seine Reisfreiheit nun eingeschränkt ist. Der Kölner Umzug wird ohne einen Putin-Wagen stattfinden und sich stattdessen anderen politischen Themen widmen. Die rechtlichen Schritte gegen Tilly setzen ein bedenkliches Präzedenzfall – sie zeigen die wachsenden Risiken für Künstler, die ausländische Staatschefs karikieren.