Klagenfurt feiert 50. Literatur-Tage: Skandale, Preise und die Macht des Geldes
Lukas AlbrechtKlagenfurt feiert 50. Literatur-Tage: Skandale, Preise und die Macht des Geldes
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt: Hitze Debatten und bemerkenswerte Siege
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt waren geprägt von leidenschaftlichen Diskussionen und herausragenden Preisträgern. Die Veranstaltung rückte die finanziellen Nöte der Literaturszene in den Fokus – die Debatten gingen dabei weit über die Texte selbst hinaus. In diesem Jahr leitete erstmals eine rein weibliche Jury das Geschehen.
Einen markanten Auftritt hatte Slata Roschal, die während ihrer Lesung eine provokante Geste setzte: Sie verkündete ihren sofortigen Abgang von der Bühne und verweigerte sich der Jury. Ihr Text kritisierte die literarischen Institutionen für schlecht bezahlte Stipendien und magere Honorare, von denen Autor:innen kaum leben können.
Ihre Erzählung streifte die prekären Verhältnisse in der Branche allerdings nur am Rande. Stattdessen richtete sie den Blick auf die internen Machtmechanismen der Literaturszene. Die siebenköpfige Frauenjury lobte dennoch viele Beiträge für ihre Originalität und prägnante Formulierungen.
Den mit 10.000 Euro dotierten KELAG-Preis erhielt Kinga Tóth für ihren sprachlichen Witz und polyphonen Stil – bemerkenswert, da sie Deutsch erst in der Schule gelernt hatte. Die große Gewinnerin des Abends war jedoch Schaette: Sie sicherte sich nicht nur den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis, sondern auch den Publikumspreis für ihren Text „Was wir tragen“.
Ihre Geschichte begleitet zwei übergewichtige Schulmädchen und die lebenslange Gewalt, der sie ausgesetzt sind. Immer wieder kehrten auch die Jury-Diskussionen zu den wirtschaftlichen Zwängen zurück, unter denen Autor:innen heute leiden.
Das Festival endete mit klaren Sieger:innen – und mit nachhallenden Debatten über Geld und Literatur. Schaettes Doppelsieg setzte ein besonderes Zeichen. Dass die Jury die finanzielle Not so zentral thematisierte, zeigt, wie tief das Thema die Literaturszene bewegt.
