Karin Bergmann übernimmt künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele – und plant radikale Reformen
Jonas MayerKarin Bergmann übernimmt künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele – und plant radikale Reformen
Die Salzburger Festspiele haben Karin Bergmann zur neuen künstlerischen Leiterin ernannt. Ihre Berufung folgt auf den Abgang von Markus Hinterhäuser, dessen Ausscheiden zwar als einvernehmlich beschrieben wurde, aber von Berichten über ein schwieriges Arbeitsklima überschattet war. Bergmann übernimmt nun das Amt mit dem Vorhaben, Teile des Festivals umzugestalten, ohne dabei die bestehende Ausrichtung vollständig aufzugeben.
Bergmann trat die Position an, ohne sich formal beworben zu haben. Die Idee, sich nach zwei Jahrzehnten in Führungspositionen zu bewerben, nannte sie „absurd“. Trotz Hinterhäusers öffentlicher Bezüge zu ihr als „enge Freundin“ blieb ihr Verhältnis stets rein beruflich.
Sie kritisierte die unklaren Umstände von Hinterhäusers Abgang. Die mangelnde Transparenz, so Bergmann, habe die Situation wie ein „Chaos“ wirken lassen und sogar dazu geführt, dass einige sie als „Verräterin“ bezeichneten.
Bergmann plant, Hinterhäusers musikalisches Programm zu bewahren, wird jedoch die Sparte Drama ausbauen. Unter ihrer Leitung sind mindestens vier große Sprechtheaterproduktionen vorgesehen. Zudem setzt sie sich für eine stärkere Vertretung von Theaterregisseuren im Festspielrat ein und unterstützt Geschlechterquoten – betont aber, dass die nächste Besetzung ausschließlich nach Qualifikation erfolgen müsse.
Die diesjährige Eröffnung am 26. Juli bricht mit der Tradition: Festspielpräsidentin Kristina Hammer wird keine Rede halten. Zu den bestätigten Rednern zählen Bundespräsident Alexander Van der Bellen, die Salzburger Landeshauptfrau Cornelia Edtstadler, Vizekanzler Andreas Babler, der Schauspieler Klaus Maria Brandauer sowie die Gastrednerin Maria Kolesnikova.
Hammers aktuelle Amtszeit als Präsidentin endet Ende 2026. Die Position wurde neu ausgeschrieben; 27 Bewerber – darunter Hammer selbst – haben sich beworben. Bergmanns Führung leitet ein neues Kapitel für die Salzburger Festspiele ein. Sie wird das Dramaprogramm reformieren, während die musikalische Ausrichtung erhalten bleibt. Die Governance-Struktur des Festivals bleibt indes im Fluss, und Hammers künftige Rolle steht noch nicht fest.






