Ibbenbüren setzt auf faire und klimaneutrale Beschaffung – ein Vorbild für Kommunen
Henry KochIbbenbüren setzt auf faire und klimaneutrale Beschaffung – ein Vorbild für Kommunen
Die Stadt Ibbenbüren intensiviert ihre Bemühungen, Beschaffungsprozesse nachhaltiger und fairer zu gestalten. Kürzlich fand eine interne Schulung für die Beschaffungsabteilung und führende Fachbereichsleitungen statt, um diese Veränderungen voranzutreiben. Die Initiative steht im Einklang mit übergeordneten Zielen wie der Reduzierung von Emissionen, der Schonung von Ressourcen und der Sicherstellung ethischer Lieferketten.
Der Workshop, geleitet von Dr. Krishan Gairola von der corsus GmbH, konzentrierte sich auf praktische Wege, um Nachhaltigkeit in der Beschaffung zu verankern. Themen waren unter anderem die frühzeitige Einbindung der Fachabteilungen, transparente Kommunikation sowie die Festlegung von CO₂-Reduktionszielen. Gairola betonte zudem die Bedeutung einer kontinuierlichen Überprüfung, um die Einhaltung der neuen Standards zu gewährleisten.
Nachhaltige Beschaffung unterliegt nun strengen Kriterien: Neben ökologischen Aspekten wie geringen Emissionen, Ressourceneffizienz und Recyclingfähigkeit müssen auch soziale Faktoren wie Arbeitsrechte berücksichtigt werden. Zertifizierungen wie der Blaue Engel, die ISO 20400 sowie die Einhaltung von Vorschriften wie dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) sind verpflichtend. Lieferanten werden durch Risikobewertungen via EcoVadis, Scope-3-Analysen und Audits auf ihre ethischen Praktiken überprüft. Einige Ausschreibungen setzen diese Grundsätze bereits um – etwa bei Reinigungsmitteln und Holzplatten, für die nun Nachweise und Zertifikate über die Nachhaltigkeit vorgelegt werden müssen. Weitere Ausschreibungen mit ähnlichen Anforderungen sind in Vorbereitung.
Hendro Prabowo, Sachbearbeiter in der Beschaffung, bewertet Einkäufe anhand von Kriterien wie Produktlebensdauer, Ressourcenverbrauch, CO₂-Bilanz und Produktionsbedingungen. Seine Arbeit trägt direkt zum UN-Nachhaltigkeitsziel 12 bei, das nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster fördert. Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) sowie von Engagement Global gefördert. Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer unterstreicht die Bedeutung dieser Maßnahmen und bezeichnet sie als "entscheidend für die Zukunft der Stadt".
Die Schulung markiert einen deutlichen Wandel in der Beschaffungspolitik Ibbenbürens. Künftige Ausschreibungen werden verifizierbare Nachhaltigkeitsnachweise, langlebige Produkte und ethische Lieferketten priorisieren. Der Ansatz der Stadt dient dabei als Vorbild für andere Kommunen, die ähnliche Ziele verfolgen.