Holzingers Pfingstspektakel sprengt Grenzen zwischen Kunst und Provokation
Jonas MayerHolzingers Pfingstspektakel sprengt Grenzen zwischen Kunst und Provokation
Florentina Holzinger inszeniert ein provokantes Pfingstspektakel im Wiener Eislaufverein
Mit einer kühnen Mischung aus extremer Körperlichkeit und modernster Technologie präsentierte Florentina Holzinger im Wiener Eislaufverein ein Pfingststück, das an die Traditionen von Hermann Nitsch und den Wiener Aktionisten anknüpfte – und sie zugleich mit einer eigenen, ungestümen Handschrift weiterführte. Das Publikum erlebte ein Spektakel, das durch waghalsige Aktionen und symbolträchtige Szenen traditionelle Geschlechterrollen in der Kunst herausforderte.
Den Auftakt bildete eine nackte Frau, die von der Fassade des Hotels Intercontinental abseilte – eine Hommage an Trisha Browns ikonische Choreografie. Es folgte eine „Letzte Abendmahl“-Szene, in der Holzinger mit ihrem rein weiblichen Ensemble schwebend in der Luft agierte, bevor der dramatische Höhepunkt in der Schwebe endete.
Der zweite Akt fand in Schloss Prinzendorf statt, dem historischen Sitz von Nitschs Orgien-Mysteren-Theater. Dort inszenierte Holzinger eine „Malaktion“ – eine Verbeugung vor Nitschs Erbe –, bei der eine gekreuzigte Performerin und Drohnen, die rote Farbe über die Szene sprühten, im Mittelpunkt standen.
Einer der eindrucksvollsten Momente war die Zerstörung eines Panzers durch einen Monstertruck – ein Symbol für den Aufruf zum Frieden. Ein Fallschirmspringer mit einem taubenförmigen Helm landete im Trümmerfeld und pflanzte eine weiße Fahne. Autos, Motorräder und ein Fallschirmsprung unterstrichen die Verbindung von roher Energie und künstlerischem Statement.
Holzinger eignete sich in ihrer Arbeit bewusst traditionell männlich konnotierte Tätigkeiten an und beanspruchte sie auf frauenspezifische Weise neu. Das Stück markierte damit einen Bruch mit früheren Aktionismus-Bewegungen, indem es Hightech-Elemente mit einer ungebändigten, körperbetonten Performance verband.
Mit einer Mischung aus Verehrung und Innovation hinterließ die Inszenierung einen bleibenden Eindruck. Indem Holzinger Nitschs Einfluss mit ihrer eigenen Vision verschmolz, schuf sie ein Spektakel, das zugleich Hommage und mutiges Statement war. Die extremen Stunts und symbolischen Gesten festigten ihren Platz im zeitgenössischen Avantgarde-Theater.






