Evonik-Chef Kullmann attackiert EU-Emissionshandel als wettbewerbsfeindlich
Lukas AlbrechtEvonik-Chef fordert Abschaffung des Emissionshandels - Evonik-Chef Kullmann attackiert EU-Emissionshandel als wettbewerbsfeindlich
Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender von Evonik, fordert die Abschaffung des EU-Emissionshandels. Das System passe nicht mehr zur heutigen globalen Wirtschaftslage und benachteilige europäische Unternehmen im Wettbewerb mit ausländischen Konkurrenten, so seine Kritik.
Kullmann argumentiert, der aktuelle Ansatz der EU scheitere an zentralen Herausforderungen. Während Europa strenge Klimavorgaben durchsetze, werden weiterhin Waren aus Ländern mit deutlich höherem CO₂-Ausstoß importiert. Als Beispiele nennt er China, Russland und die USA, wo staatliche Subventionen, niedrige Energiepreise und Steuererleichterungen den Industrien Wettbewerbsvorteile verschaffen.
Den geplanten CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) der EU hält der Manager für wirkungslos. Stattdessen fordert er eine grundlegende Reform des gesamten Emissionshandels. Europäische Hersteller stünden vor ungleichen Wettbewerbsbedingungen, da Konkurrenten in anderen Regionen unter deutlich lascheren Umweltauflagen und Kostenvorgaben produzieren, betont Kullmann. Seine Kritik unterstreicht den Kontrast zwischen dem stark regulierten europäischen Markt und Ländern wie den USA, wo Gesetze wie der Inflation Reduction Act Strom zu extrem niedrigen Preisen ermöglichen – in Texas teilweise nur 2 bis 3 Cent pro Kilowattstunde. Auch Russland und China halten die Industrieenergiepreise durch Subventionen und Zollreformen künstlich niedrig und vergrößern so die Wettbewerbslücke.
Kullmanns Forderungen spiegeln die wachsende Unzufriedenheit europäischer Industrievertreter wider. Zwar bleibt das Emissionshandelssystem vorerst bestehen, doch der Reformdruck steigt. Ohne Kurskorrektur drohe Europa weiter an globaler Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, warnt der Evonik-Chef.