17 June 2026, 19:40

Europas Industrie warnt vor CO₂-Kosten: "Wir brauchen dringend Reformen"

Energieintensive Unternehmen fordern Reduzierung des EU-Handels mit CO2

Europas Industrie warnt vor CO₂-Kosten: "Wir brauchen dringend Reformen"

Mehr als drei Dutzend große europäische Industrieunternehmen haben in einem Brief an die EU-Spitze dringende Maßnahmen gegen die steigenden CO₂-Kosten gefordert. Adressiert ist das Schreiben an den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, sowie an den zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulides – kurz vor den geplanten Reformen des EU-Emissionshandels (EU-ETS).

Zu den Unterzeichnern zählen Schwergewichte wie ArcelorMittal, BP, BASF und ThyssenKrupp. Die Unternehmen kritisieren, dass Europa mit den rasant steigenden CO₂-Preisen für seine Industrien allein agiere. Das aktuelle System spiegle die globale Realität nicht mehr wider, heißt es in der Stellungnahme.

Laut dem Brief wird die industrielle Transformation durch unzureichende Infrastruktur ausgebremst. Strom-, Wasserstoff- sowie CO₂-Transport- und Speichernetze seien entweder nicht vorhanden oder ungenügend ausgebaut. Diese Lücken verhinderten, dass Unternehmen ihre Emissionen schnell genug senken könnten, um mit der schrumpfenden Menge an kostenlosen Zertifikaten Schritt zu halten.

Im Rahmen des EU-Klimapakets „Fit for 55“ werden diese kostenlosen Emissionsrechte schrittweise abgebaut, um die Erderwärmung zu begrenzen. Industrieanlagen müssen nun den Großteil der Verschmutzungsrechte auf dem Markt erwerben. Die Kosten steigen, wenn Unternehmen ihre Emissionen langsamer reduzieren als die verfügbaren Zertifikate schrumpfen.

Um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, führte die EU den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ein. Dieser sieht Ausnahmen für Länder mit eigenen Emissionshandelssystemen vor. Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen größtenteils in Klimamaßnahmen zurück, etwa in den Ausbau von Wasserstoffnetzen für die Industrie.

Die Unternehmen fordern nun sofortiges Handeln, um die steigenden Kosten zu stoppen und die europäische Industrie zu schützen. Ohne Kurskorrektur drohe dem Kontinent ein weiterer Schaden für den Produktionsstandort Europa, warnen sie. Die anstehende Reform des EU-Emissionshandels gilt als entscheidender Moment, um diese Bedenken anzugehen.

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