15 March 2026, 06:30

EU-Saatgutverordnung bedroht Existenz von Kleinproduzenten und Artenvielfalt

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EU-Saatgutverordnung bedroht Existenz von Kleinproduzenten und Artenvielfalt

Ein geplanter EU-Rechtsakt zur Saatgut-Zertifizierung sorgt bei Kleinproduzenten und Hobbygärtnern für Besorgnis. Die Organisatoren des Düsseldorfer Saatgutfestes warnen, dass strengere Vorschriften viele in die Existenzbedrohung treiben könnten. Das noch in Verhandlung befindliche Gesetz gefährdet seltene Sorten und die lokale Artenvielfalt.

Die Verhandlungen über die EU-Saatgutverordnung begannen im Februar 2026 und umfassen die Europäische Kommission, das Parlament sowie den Rat der Mitgliedstaaten. Die geplanten Regeln sehen strenge Zertifizierungspflichten und hohe Gebühren für Saatguthersteller vor. Während das Europäische Parlament Ausnahmen für kleine Anbieter fordert, setzt der Agrarministerrat auf eine härtere Linie mit umfassenden Kontrollen.

Kleinproduzenten in Düsseldorf fürchten, dass die Änderungen ihre Existenzgrundlage zerstören könnten. Michael Bonke, Organisator des Düsseldorfer Saatgutfestes, warnt, dass viele unter dem neuen System nicht überleben werden. Anne Mommertz, eine Selbstversorger-Gärtnerin, teilt diese Sorgen und prophezeit, dass seltene Sorten vom Markt verschwinden könnten, falls das Gesetz verabschiedet wird.

Unterdessen setzen Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss auf den Erhalt der Artenvielfalt, indem sie kostenlose Saatgutleihe anbieten. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss verzeichnet eine hohe Nachfrage nach bestimmten Sorten – ein Beleg für die Bedeutung von Nischenanbietern. Ohne sie könnten Hobbygärtner bald nur noch auf standardisiertes Saatgut großer Industriekonzerne angewiesen sein.

Die Verordnung wird weiterhin diskutiert, doch die möglichen Folgen zeichnen sich bereits ab: Bei einer Verabschiedung drohen Kleinproduzenten die Schließung, und seltene Sorten könnten vom Markt verschwinden. Die Entscheidung wird zeigen, ob lokale Artenvielfalt und traditionelles Saatgut den strengeren EU-Kontrollen standhalten können.

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