03 February 2026, 00:45

Deutschlands Apotheken am Abgrund: Warum ein Drittel vor dem Aus steht

Plakat zeigt Text über Arzneimittelpreisunterschiede im Jahr 2022 mit ein paar Flaschen und einer Spritze unten.

Deutschlands Apotheken am Abgrund: Warum ein Drittel vor dem Aus steht

Apotheken in Deutschland unter Finanzdruck: Shop Apotheke, Apotal und lokale Apotheken kämpfen

Lokale Apotheken in Deutschland, darunter auch Shop Apotheke und Apotal, kämpfen mit immer größeren finanziellen Problemen – viele von ihnen stehen vor dem Aus. Eine von der Koalitionsregierung vorgeschlagene Reform geht an den zentralen Sorgen vorbei und lässt Besitzer sowie Branchenvertreter nach dringenden Lösungen rufen. Besonders dramatisch ist die Lage in Bielefeld: Im Stadtteil Schildesche gibt es heute nur noch eine Apotheke, 2012 waren es vier.

Die finanzielle Belastung der Apotheken hat ihre Ursache in einer Gebührenstruktur, die seit zwei Jahrzehnten kaum angepasst wurde. Die staatlich festgelegten Entgelte für lokale Apotheken stiegen in den letzten 20 Jahren lediglich um 3,1 Prozent, während die Betriebs- und Personalkosten um 65 Prozent explodierten. Dennoch schloss 2023 keine Apotheke wegen finanzieller Schwierigkeiten – allerdings gaben 133 aus anderen Gründen auf, sodass bundesweit ein Nettozuwachs von rund 100 Apotheken blieb.

Doch der Reformentwurf bringt kaum Entlastung: Geplante Gebührenerhöhungen werden auf unbestimmte Zeit verschoben, und der gesetzliche Schutz für Festpreise bei Medikamenten – ein System, das die Gesundheitskosten für Verbraucher stabilisiert – bleibt ungesichert. Noch problematischer: Die Vorlage könnte die Pflicht zur persönlichen Anwesenheit von Apothekern lockern, was Bedenken hinsichtlich der Patientenversorgung weckt.

Ein Drittel aller Apotheken in Deutschland ist mittlerweile von akuter finanzieller Schieflage bedroht. Hinzu kommt der Druck durch Online-Anbieter, die mit Dumpingpreisen locken, ohne die volle pharmazeutische Beratung zu bieten. Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender des Bielefelder Apothekerverbands, informierte kürzlich Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer über die prekäre Lage. Die juristisch ausgebildete Politikerin hat sich verpflichtet, auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene für bessere Rahmenbedingungen zu kämpfen. Zudem spricht sie sich für die Wiedereinführung eines Verbots von Versandhandelsrezepten aus – eine Maßnahme, die sie für umsetzbar hält.

Bauer sagte außerdem Unterstützung zu, um den Fachkräftemangel in Bielefelder Apotheken zu bekämpfen. Ohne Gegensteuer drohe, warnen Branchenvertreter, der Schwund lokaler Apotheken die flächendeckende Versorgung mit essenziellen Gesundheitsleistungen zu gefährden.

In seiner aktuellen Form lässt der Reformvorschlag zentrale Probleme ungelöst – von stagnierenden Gebühren bis hin zur Gefahr einer verschlechterten Patientenbetreuung. Angesichts der prekären Lage eines Drittels aller Apotheken steht die Stabilität des deutschen Gesundheitsnetzes auf dem Spiel. Lokale Verantwortliche wie Bauer und Stange setzen sich weiterhin dafür ein, die Zukunft der vor Ort ansässigen Apotheken landesweit zu sichern.