Deutsche Wirtschaft schlecht auf Krisen und Verteidigung vorbereitet
Lukas AlbrechtDeutsche Wirtschaft schlecht auf Krisen und Verteidigung vorbereitet
Deutsche Unternehmen sind einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge nur unzureichend auf eine große Krise oder ein Verteidigungsszenario vorbereitet. Zwar haben viele Betriebe Maßnahmen gegen Bedrohungen wie Desinformation und Cyberangriffe ergriffen, doch bei der Bewältigung von Materialengpässen, Personalausfällen und Infrastrukturengpässen gibt es weiterhin erhebliche Lücken.
Laut dem IW-Bericht verfügen zwar 86 Prozent der Unternehmen über Schutzmaßnahmen gegen Cyberbedrohungen. Eine ähnliche Mehrheit hat Vorkehrungen gegen Desinformation, Sabotage und Spionage getroffen. In anderen kritischen Bereichen sieht es jedoch deutlich schlechter aus.
Nur 24 Prozent der Firmen fühlen sich gerüstet, um Infrastrukturengpässe zu bewältigen, weitere 17 Prozent planen hier künftige Maßnahmen. Lediglich 3 Prozent sind auf Materialknappheit vorbereitet, und weniger als 5 Prozent verfügen über Reservelieferverträge. Ein weiteres Schwachstelle sind Personalausfälle – nur 4 Prozent der Unternehmen haben Notfallpläne für den Fall, dass große Teile der Belegschaft ausfallen. Branchen wie der Maschinenbau, die Automobilindustrie, die Elektronikbranche und das Baugewerbe haben zwar seit der COVID-19-Pandemie einige Anpassungen vorgenommen. Viele haben ihre Lieferketten diversifiziert, Lagerbestände aufgebaut und sind von "Just-in-Time"- zu "Just-in-Case"-Reserven übergegangen. Dennoch warnt das IW, dass die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit insgesamt noch unzureichend ist.
Die Studie betont, dass nationale Verteidigung nicht allein auf militärische Stärke setzen kann. Wirtschaftliche Stabilität – also die Aufrechterhaltung von Lieferketten und Lebensstandards – spielt eine zentrale Rolle für die Abschreckung, insbesondere gegenüber Bedrohungen wie denen durch Russland. Im Krisenfall hätten Unternehmen Schwierigkeiten, Aufgaben wie die Produktion militärischer Ausrüstung, die Freistellung von Mitarbeitern für den Dienst oder den Schutz von Systemen vor Angriffen zu bewältigen.
Die Ergebnisse des IW deuten darauf hin, dass zwar Fortschritte bei der Cybersicherheit und der Bekämpfung von Desinformation erzielt wurden, die meisten Unternehmen in anderen Bereichen jedoch weiterhin verwundbar sind. Ohne bessere Vorbereitung auf Materialknappheit, Personalausfälle und Infrastrukturbelastungen könnte die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit Deutschlands in einem Verteidigungsszenario gefährdet sein.