Demokratie in Deutschland: Junge verlieren das Vertrauen – was bedeutet das für die Zukunft?
Henry KochZufriedenheit mit Demokratie in NRW bei Jugendlichen sinkt - Demokratie in Deutschland: Junge verlieren das Vertrauen – was bedeutet das für die Zukunft?
Die Demokratie in Deutschland bleibt zwar stabil, sieht sich aber wachsenden Herausforderungen gegenüber – das geht aus dem aktuellen Demokratiebericht hervor. In Nordrhein-Westfalen ist die Zufriedenheit unter jungen Menschen seit 2023 deutlich gesunken, was Bedenken hinsichtlich der langfristigen Stabilität weckt. Während sich das politische Engagement uneinheitlich entwickelt, nimmt das Vertrauen in zentrale Institutionen weiter ab.
Die Zufriedenheit mit der Demokratie ist in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen. Bei den 14- bis 18-Jährigen in Nordrhein-Westfalen sank die Zustimmung von 77 Prozent im Jahr 2023 auf nur noch 47 Prozent im Jahr 2025. Auch bei den älteren Jugendlichen zeigt sich dieser Trend: In der Altersgruppe der 19- bis 29-Jährigen verzeichnete die Studie einen Rückgang um 14 Punkte auf 51 Prozent. Selbst bei den 30- bis 44-Jährigen schrumpfte die Zufriedenheit auf 43 Prozent.
Die politische Teilhabe von Jugendlichen präsentiert ein gemischtes Bild. Die Beteiligung an Jugendparlamenten stieg 2024/25 laut Landesberichten leicht um 5 bis 10 Prozent an. Gleichzeitig ging das Engagement bei Protesten unter 25-Jähriger um 15 Prozent zurück – weniger junge Menschen nahmen an Klimastreiks oder ähnlichen Veranstaltungen teil. Die digitale Beteiligung, etwa über Bürger-Apps, nahm dagegen um 20 Prozent zu, während die traditionelle Teilhabe insgesamt unverändert blieb.
Der Bericht wirft grundsätzliche Fragen auf: Fast die Hälfte der Befragten – 47 Prozent – ist der Meinung, die Gesellschaft brauche "eine starke Partei, die den Willen des Volkes vertritt", was auf eine Zunahme undemokratischer Ansichten hindeutet. 15 Prozent halten eine Diktatur mitunter sogar für vorziehenswert. Das Vertrauen in Institutionen wie Politik, Wissenschaft und Strafverfolgungsbehörden hat nachgelassen, besonders bei jüngeren Bevölkerungsgruppen.
Trotz dieser Belastungen bleibt die Unterstützung für demokratische Werte höher, wenn sie im Kontext des Grundgesetzes betrachtet wird. Ältere Generationen zeigen nach wie vor eine stärkere Bindung an die Demokratie und wirken so als stabilisierende Kraft.
Die Ergebnisse deuten auf wachsende Risiken für die Demokratie hin, angetrieben von wirtschaftlichen Sorgen und Zukunftsängsten. Während sich das Engagement zunehmend in digitale Kanäle verlagert, stagniert die klassische Teilhabe. Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit, dem schwindenden Vertrauen und der Zunahme undemokratischer Einstellungen entgegenzuwirken, um die langfristige Stabilität zu sichern.






