Bundeskabinett lockert umstrittenes Energieeffizienzgesetz für Rechenzentren und Unternehmen
Clara MeyerBundeskabinett lockert umstrittenes Energieeffizienzgesetz für Rechenzentren und Unternehmen
Der Bundeskabinett hat Lockerungen des Energieeffizienzgesetzes beschlossen. Die Änderungen mildern die Vorgaben für Unternehmen und Rechenzentren, die wegen ihres hohen Energieverbrauchs in der Kritik standen. Wirtschaftsverbände und Umweltschützer haben auf die Reformen mit scharfen Reaktionen reagiert.
Nach dem ursprünglichen Gesetz mussten Unternehmen und Behörden Energieverschwendung reduzieren und ihre Effizienz steigern. Besonders unter Druck gerieten Betreiber von Rechenzentren, da diese einen enormen Strombedarf haben und ungenutzte Abwärme produzieren.
Die neuen Regeln sehen vor, dass die Nutzung von Abwärme nur noch verpflichtend ist, wenn ein lokales Fernwärmenetz verfügbar ist. Rechenzentren haben nun vier statt zwei Jahre Zeit, um die Effizienzziele zu erreichen. Zudem müssen sie ihren Stromverbrauch erst bis 2030 vollständig durch erneuerbare Energien ausgleichen.
Auch die Schwelle für die Pflicht zu Energie- oder Umweltmanagementsystemen wurde angehoben. Nur noch Unternehmen mit einem Verbrauch von mindestens 23,6 Gigawattstunden müssen die Vorgaben erfüllen. Zum Vergleich: Die Medice Health Family verbrauchte 2024 etwa 23,5 Gigawattstunden.
Die Reaktionen auf die Reformen fallen unterschiedlich aus. Peter Adrian vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bezeichnete sie als „deutliche Entlastung“. Kilian Vieth-Ditlmann von AlgorithmWatch sprach von einer „Kapitulation vor den Tech-Konzernen“. Linda Klapdor von Greenpeace warnte, Deutschland dürfe den USA nicht folgen und fossile Rechenzentren zulassen, die die Emissionen in die Höhe treiben.
