01 February 2026, 00:47

Apothekerin schließt Filiale nach 72-Stunden-Schichten und finanzieller Überlastung

Der Eingang zu einer Apotheke mit einem "Apotheke"-Schild auf der linken Seite, einer Tafel mit Text auf der rechten Seite und beleuchteten Lichtern auf dem Dach.

Apothekerin schließt Filiale nach 72-Stunden-Schichten und finanzieller Überlastung

Wafaa Choukrane, eine 34-jährige Apothekerin aus Dortmund, hat ihre Filiale in Wasserburg geschlossen – nach monatelangem Kampf mit unhaltbaren Arbeitsbelastungen und finanziellen Engpässen. Die Entscheidung fällt ein Jahr, nachdem sie zwei weitere Apotheken übernommen hatte und plötzlich drei Standorte gleichzeitig leiten musste. Trotz ihres Einsatzes reichten die pauschalen Vergütungen für Notdienste nicht aus, um die steigenden Kosten zu decken – die Folge: Sie musste ihren Betrieb verkleinern.

2023 hatte Choukrane ihr Geschäft erweitert, indem sie zwei Apotheken von Frank Grote übernahm. Damit stieg die Zahl ihrer Standorte auf drei, darunter die nun geschlossene Filiale in Wasserburg. Die zusätzliche Verantwortung bedeutete Schichten von bis zu 72 Stunden am Stück – ohne Urlaub im vergangenen Jahr.

Besonders belastend waren die Notdienste. Die Motivation des Personals sank, und es wurde nahezu unmöglich, Mitarbeiter für diese Schichten zu finden. Die feste Vergütung für Bereitschaftsdienste blieb zwischen 2021 und 2026 unverändert und hielt weder mit der Inflation noch mit den betrieblichen Ausgaben Schritt. Choukrane konnte sich keine Vertretung leisten und musste die Last allein tragen.

Um die Patientenversorgung aufrechtzuerhalten, bündelte sie die Leistungen in der Ardey-Apotheke, nur 500 Meter vom geschlossenen Wasserburg-Standort entfernt. Mit nun zwei Apotheken unter ihrer Leitung sucht sie nach Wegen, den Zugang zu verbessern – unter anderem durch Gespräche über zusätzliche Parkplätze.

Choukrane unterstützt Forderungen nach politischen Reformen. Sie fordert höhere Erstattungssätze für Notdienste, bessere Kostendeckung und bundesweite Regelungen, um die Branche zu stabilisieren. Ohne Veränderungen, warnt sie, könnten kleine Apotheken wie ihre weiter verschwinden.

Mit der Schließung der Wasserburg-Filiale bleiben Choukrane zwei Apotheken. Ihr Fokus liegt darauf, die lokale Gesundheitsversorgung zu sichern – während sie gleichzeitig auf finanzielle und regulatorische Unterstützung drängt. Der Fall zeigt die wachsenden Belastungen, unter denen unabhängige Apotheker in ganz Deutschland stehen.