08 February 2026, 11:03

35 Jahre Geisterparade: Köln feiert mit Protest und Karnevalszauber gegen Wohnungsnot

Eine Gruppe von Menschen, die eine Straße entlanggehen, neben einem Lastwagen mit bunten Luftballons, mit Schildern an der Straße und Bäumen und Gebäuden im Hintergrund, was auf eine Pride-Parade in Paris hindeutet.

35 Jahre Geisterparade: Köln feiert mit Protest und Karnevalszauber gegen Wohnungsnot

Kölner Geisterparade feiert 35. Jubiläum mit Protest und Karnevalsstimmung

Mit einer lebendigen Mischung aus Protest und Feier hat die Kölner Geisterparade ihr 35-jähriges Bestehen begangen. Tausende zogen als Geister, Hexen und Fabelwesen durch die Straßen – und setzten sich dabei für eine Reform der städtischen Wohnungspolitik ein. In diesem Jahr verband die Veranstaltung politischen Aktivismus mit der bunten Energie eines Straßenfests.

Angeführt wurde der Umzug von Erich Hermans, verkleidet als Ähzebär – eine Figur aus der lokalen Mythologie – und mit einem selbstgebastelten Rummelpot-Instrument. Hinter ihm präsentierten die Teilnehmer aufwendige Kostüme: von Totenschädeln und Seeungeheuern bis hin zu riesigen, durchsichtigen Tintenfischen aus Plastikflaschen. Auch die sogenannten Schnappviecher, übergroße Fantasietiere, reihten sich in den Zug ein und steuerten zum spektakulären Erscheinungsbild bei.

Doch im Kern blieb die Parade eine Demonstration. Das diesjährige Motto "Allerhööchste Zick för en andere Wohnungspolitik – mer können nit all em Dom schlofe" ("Höchste Zeit für eine andere Wohnungspolitik – wir können nicht alle im Dom schlafen") richtete den Scheinwerfer auf die Kölner Wohnungsnot. Viele Teilnehmer bezogen ihre Kostüme auf das Thema: als Häuser auf dem Kopf oder in Kostümen, die an "Miethai" (ein Wortspiel aus "Miete" und "Süßigkeiten") erinnerten – eine spöttische Anspielung auf die hohen Mieten.

Den Abschluss fand die Veranstaltung im Odonien, einem lokalen Kulturzentrum, wo Live-Musik und Auftritte die feierliche Stimmung aufrechterhielten. Hermans, der 1993 die organisierende Gruppe Ähzebär un Ko e.V. mitgründete, prägte maßgeblich die Tradition der Parade, die Kunst und Aktivismus verbindet. Was einst als kleine Versammlung begann, hat sich längst zu einem der markantesten jährlichen Ereignisse Kölns entwickelt.

Die 35. Geisterparade vereinte Kreativität, Humor und eine klare Forderung nach Wohnungsreform. Als der Umzug in Feierlaune endete, blieb die Botschaft bestehen: Es braucht Veränderung. Die einzigartige Mischung aus Protest und Karnevalsgeist zieht weiterhin Menschenmassen an und festigt den Platz der Parade im Kölner Kulturkalender.